Ausschüttungsverzögerung beim ACI Dubai II. bis V. bereiten Anlegern Sorgen
Krisenszenario. Doch der Ausschüttungsrückstau ist nicht alles. Die Fondsprojekte wurden bereits vergangenes Jahr verkauft. Nun müsste auch das Kapital an die Anleger zurückfließen. Das tut es aber nicht. Der Käufer des Immobilienpaketes – der nicht bekannt gegeben wurden - hat, so das Anlegerschreiben, den Kaufpreis bei einer Bank finanziert. Trotz Zusage der Bank, floss aber kein Geld. Die Bank zahlte nicht, da sie sich erst selbst refinanzieren muss, wie Lohmann in dem Brief anführt. Die definitive Bestätigung der Verzögerung habe man erst in der 16. KW erhalten. Erstaunlich, denn verkauft wurden die Objekte bereits im vergangenen Jahr.
Superlative. Mit Erfolgsmeldungen geizte das Duo Lohmann nie. Vater und Sohn stilisierten sich gerne zum Marktführer der Dubai-Anbieter hoch. Die Hompage des Unternehmens spiegelt diese Einstellung immer noch wieder. Infos zu der negativen Entwicklung und den Problemen sucht man vergeblich. Dafür wird die Vertriebsstärke an prominenter Stelle hervorgehoben. So könne man auf sieben platzierte Fonds mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von mehr als 600 Millionen Euro verweisen. 200 Millionen Euro stammen von Anlegerseite, so die Feri Gesamtmarktstudie der beteiligungsmodelle. „Alle Ausschüttungen an unsere mehr als 8.000 Anleger wurden bislang wie prospektiert geleistet“, ist dort zu lesen. Das Anlegerschreiben mit der Ausschüttungsverzögerung datiert aber schon vom 20. April 2009.
Glänzende Fassaden. Die Lomanns verstehen ihr Geschäft – zumindest was die Außendarstellung betrifft. Erfolgsmeldungen wie die Aufnahme Robin Lohmans in die Top 100 CEO durch das Wirtschaftsmagazin „Arabian Business“ wurde breit gestreut. Die Auswahlkriterien hierfür waren neben dem erreichten wirtschaftlichen Wachstum des Unternehmens auch die Konzeption innovativer Unternehmensideen, die erfolgreichen Abschlüsse von Projekten sowie außergewöhnliche Marketing- und Markenaktivitäten. Darin war ACI groß. Als USP schreiben sie sich dabei herausragenden Qualität der Immobilienprojekte, so die Eigenwerbung, und das von ihnen entwickelte innovative Vermarktungskonzept – dem „Tower-Branding“ auf die Fahnen. Das funktionierte auch. Durch prominente Namen wie Niki Lauda und Michael Schuhmacher als Namensgeber für ihre Gebäude verkauften sich ihre Fonds wie warme Semmeln. Die Ausschüttungen flossen – und immer wieder kam dann genau passend ein neuer Fonds.
Abgewiegelt.
Lösungswege. Untätig ist man nicht, zumindest will das Anlegerschreiben diesen Eindruck erwecken. Auch die freundlichen Damen an der Reception, geben immer wieder die gleiche Antwort. „Herr Lohmann ist sehr beschäftigt.“ Das mag angesichts der Situation sicherlich stimmen. Warum man allerdings in dieser doch recht prekären Situation zur Problemlösung ein dreiköpfiges Gremium aus Vertriebspartnern gewählt hat, ist nicht nur merkwürdig, sondern aus Anlegersicht mehr als riskant. Von erfahrenen Bankern, Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern jedenfalls, die derartige Krisen und Problemsituation qua Ausbildung und Erfahrung wohl besser meistern würden, ist in dem Anlegerschreiben nichts erwähnt.
Fragwürdig. Zum Schutz der Anleger verspricht die ACI werthaltige Sicherheiten in Höhe von 110 Millionen Euro. Das entspräche dem zweifachen Kaufpreis, so das Schreiben. Woher das Geld kommen soll, bleibt offen. Ein Wirtschaftsprüfer werde Art und Umfang der von der ACI Real Estate LLC gestellten Sicherheiten bestätigen – wer es ist und wann es erfolgen soll, ist ebenfalls nicht erwähnt.
Thesaurierungskonzept. Doch damit noch nicht genug der Probleme. Fonds Nr. 7 beinhaltete auch ein Thesaurierungskonzept. So sollte 40 bis 50 Prozent frisches Geld eingeworben werden, der Rest sollte aus thesaurierten Ausschüttungen kommen. Wie sich das angesichts der ausbleibenden Ausschüttungen darstellt, bleibt offen. Für Rückfragen war Uwe Lohmann bis Redaktionsschluss nicht zu sprechen.
Viele Baustellen. Die Krise setzt ACI gewaltig zu. Projektpartner gerieten ins Straucheln, so musste die südkoreanische Gesellschaft Shinsung Engineering and Construction, die an der "Michael Schumacher Business Avenue" und am "Boris Becker Business Tower" arbeiteten, wegen massiver Probleme abtreten. Auch mit Developper Define Property, Projektentwickler beim „Niki Lauda Twin-Tower“ steht es nicht zum Besten. Finanziell bereits seit einiger Zeit ein Desaster, wurde nun auch noch einer der wichtigsten Aktionäre von Define Properties wegen Betrugsverdacht verhaftet. Doch nach Aussagen von Robin Lohmann würde das die Verhandlungen nicht beeinträchtigen.
fondstelegramm-Meinung. Während ACI marketingmäßig mustergültig unterwegs ist, müsste man den Gütersloher Unternehmen für die Fächer Transparenz, Anlegerkommunikation, Pressearbeit und Fondskonzeption ein „Mangelhaft“ als Zensur geben. Probleme und Krisen gibt es im Wirtschaftsleben immer wieder. Das ist nicht das Problem. Doch wer schlecht, vage oder gar nicht kommuniziert hat meist etwas zu verstecken. Bei ACI jedenfalls taucht von Anlegerseite nicht zum ersten Mal der Begriff „Schnellballsystem“ auf. Immer wenn Auszahlungen anstanden, so ein Anleger, wurde ein Folgefonds aufgelegt. Das sind Töne, die man in Gütersloh, sicher nicht gerne hören wird, doch um sie zu entkräften, müssten sie Farbe bekennen und Geld auszahlen. Das aber scheint derzeit nicht zu gehen. Da kommt die Finanzkrise als Argument sehr passend. ACI Geschäftsführer Robin Lohmann verglich seine Leidenschaft für Immobilien-Projektentwicklungen einst mit der Einstellung Niki Laudas. Auch er hatte Probleme. Das alles hat ihn nicht davon abgehalten, weiterzumachen. Man müsse nur ein klares Ziel vor Augen haben und Durchhaltevermögen besitzen, egal, was andere Leute darüber denken. Das mag für Lauda gereicht haben, für ACI reicht das nicht – vor allem wenn es sich bei den Leuten um die Fondsanleger handelt. Schließlich ist es ihr Geld und das wollen sie jetzt zurück.