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25.10.2009 20:25:52Druckansicht

Nichts als eine große Fata Morgana

Wahrheit dringend gesucht. Trotz ständigen Beschwichtigungsversuchen wird es nicht ruhiger um die ACI. Um die vielen offenen Fragen der Anleger zu den Dubai Tower I bis V Dubai Fonds KGs zu klären, veranstaltete die Alternative Capital Invest Unternehmensgruppe (ACI) am 2. September 2009 nach langem Hin und Her endlich eine Präsenzveranstaltung in der Stadthalle Gütersloh. Die Anleger sind immer unruhiger, geht es doch um viel Geld: Rund 5.000 haben an die 73 Millionen Euro investiert. Zugelassen zur Versammlung war jedoch nicht jeder. Rechtliche Beistände, Journalisten und Vertreter der Anteilseigner wurden nicht eingeladen. Zutritt erhielten neben den Anlegern nur die Vermittler auf persönliche Einladung.

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von Beatrix Boutonnet

Lohmann schafft es nicht auf der ACI Präsenzveranstaltung für Transparenz zu sorgen.

Selektiv. Rund 200 bis 300 Anleger, so die Schätzungen, reisten letztendlich an. Nach einer Kontrolle durch Sicherheitskräfte versuchte Uwe Lohmann, unterstützt von dem Projektleiter aus Dubai, einem Steuerberater die Fragen zu klären. Ein vorbereiteter Fragenkatalog eines Anlegers als Leitfaden für die Versammlung wurde abgelehnt, mit der Begründung es würden zu hohe Kopierkosten anfallen. Auch die Polizei war über die Veranstaltung informiert, sei es gegenüber ACI im Vorfeld wiederholt zu Drohungen gekommen. Die eigentlich Schlüsselfigur aber, Robin Lohmann, erschien nicht. Er wurde lediglich per Videokonferenz aus Dubai zugeschaltet. Das schürte erneut die Gerüchteküche, er dürfe wegen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Dubai nicht mehr verlassen. Durch ein persönliches Erscheinen hätte zumindest dieser Vorwurf leicht zu entkräften werden können. Einer lokalen Zeitung gegenüber sagte Uwe Lohmann später, es werde weder gegen ihn noch gegen seinen Sohn Robin – auch nicht in Dubai - ermittelt.

Heisse Luft. Gefragt wurde offensichtlich viel. Das Protokoll ist ausführlich. Auf 20 Seiten wird die sechsstündige Veranstaltung genau nachgezeichnet. Doch viel Neues kam nicht heraus. ACI-Verantwortlichen geht zwar in Details des Immobilienrechts in Dubai, konnten oder wollten aber in Summe die Vorwürfe nicht komplett widerlegen. Nicht klar wurde beispielsweise die entscheidenden Fragen, weshalb die Kaufverträge mit der YAMA LLC rückabgewickelt wurden und wer genau hinter Yama steckt. Das umfangreiche Protokoll beweist nur eins. Immobiliengeschäfte in Dubai waren und sind riskant. Auf dem Expo-Real Forum jedenfalls war für Claer Barrett, Property Correspondent, Investors Chronice, Financial Times, London und ihre Diskussionspartner klar, Dubai sei inzwischen die unattraktivste Stadt der Welt.

Abschweifen. Auch auf die zentrale Frage, ob die Gelder aus dem II. Dubai Tower Fonds, die im Dezember 2008 hätten ausgeschüttet werden sollen, planwidrig in Folgeprojekte investiert wurden, suchen die Anleger eine zwischen all den Seiten eine zufriedenstellende Antwort vergeblich. Die Situation sei eng. Die Banken hätten Dubai den Geldhahn zugedreht, die Käufer der vier Immobilien - zwei in der "City of Arabia", zwei in der "Business Bay - können derzeit nicht zahlen. Weit im Bau ist man aber sowieso noch nicht. Erst bei einem Objekt steht das Fundament. Bei zweien Gebäuden fehlt noch die baugenehmigung, Das vierte Objekt stehe kurz vor dem Bau. Für ACI klemmt es folglich an zwei Seiten: Solange nicht gebaut wird, gehen vom Käufer keine Zahlungen ein, folglich fehlt das Geld für Ausschüttungen. Die Käufer ihrerseits können aber oft sowieso nicht zahlen, weil sie kein Geld mehr haben oder von der Bank bekommen. Wenn man die momentan bei der ACI die überfälligen Außenstände ansehe, betragen diese zur Zeit mehr als 300 Millionen Dirham, das sind 60 Millionen Euro, so Robin Lohmann. Mahnen könne man derzeit die säumigen Zahler auch nicht mehr, da das neue Law Nr. 9, das im April 2009 in Dubai in Kraft trat, das untersage. Nun kümmert sich die Dubai Real Estate Regulatory Authority (RERA), die oberste Aufsichtsbehörde für Immobiliengeschäfte allein darum. Doch derzeit gebe es, so Lohmann, nur einen Mitarbeiter, der für die Mahnungen sämtlicher säumiger Investoren und Käufer zuständig ist. Geduld und Zeit ist also gefragt.

Katastrophal. Eine Besserung ist allerdings so schnell nicht in Sicht. Dubai und seiner Wirtschaft geht es schlecht. Darüber kann auch die neue fahrerlose Metro in Dubai nicht hinwegtäuschen, die Scheich Mohammed al Maktoum Anfang September feierlich einweihte. Seit Jahresanfang sind die Gewerbemieten um die Hälfte gefallen. Nahezu ein Viertel der Bürogebäude stehen leer. Schlimmer noch ist die Situation bei den Projektentwicklungen. Bei rund einem Drittel der Baustellen stehen die Kräne und Bagger still. Die Schwäche im Baubereich, dem ehemaligen Wachstumsmotor des Emirats, zeigt auch in anderen Wirtschaftszweigen ihre Wirkung. Nach Erhebungen einer lokalen Zeitung, so der Economist, kam es in den Arabischen Emiraten in 2009 zu Gehaltsrückgängen von 26 bis 30 Prozent. Viele haben Schulden, die sie nicht mehr zurückzahlen können. Verbindlichkeiten nicht zu bezahlen gilt aber in Dubai als Straftat. Nicht viel besser steht der Staat da. Seine Die Schulden sollen sich auf 80 bis 120 Milliarden US-Dollar belaufen. Das entspricht 100 bis 150 Prozent des Bruttoinlandsproduktes von Dubai. Noch hat Dubai freundliche Beziehungen zum Nachbaremirat Abu Dhabi, ihm bereits einmal aus der Klemme half und wo die Petroldollars noch reichlich sprudeln. Doch auch Sheik Maktoum gibt sich inzwischen bei öffentlichen Auftritten vorsichtiger, was Dubais Zukunft betrifft.

Hintermänner. Nach Angaben der Kanzlei Göddeke gehört keine der vier ACI-Gesellschaften in Dubai der Gütersloher ACI, die Anleger sind an den Dubaier Gesellschaften noch nicht einmal als Minderheitsgesellschafter beteiligt. Im Gegenteil: Die ACI Real Estate LLC und die ACI Investment in Projects LLC gehören faktisch dem gleichen Emirati, einem Ahmas Thani Al-Muhari. Ein anderer Emirati, Ahmad Nasr (Nasrulla) Ismail Al-Ahmadi ist nach Angaben der Kanzlei Göddeke Mehrheitsgesellschafter der ACI General Trading LLC und „National Service Agent“ der ACI Consultancy Personengesellschaft. Eben dieser Ahmad Al-Ahmadi ist auch Mehrheitsgesellschafter der YAMA LLC, deren Kaufvertrag so unbürokratisch rückabgewickelt wurde.

Änwälte. Die Anleger haben bei der Rückabwicklung des Verkaufs ein gesetzlich verbrieftes Mitbestimmungsrecht, zumal die Liquidation des Fonds beschlossene Sache war und die Abwicklungsphase eingeläutet worden ist. Anlegeranwälten ist daher das ACI Vorgehen ein Dorn im Auge. „Unser Betrugsverdacht hat sich nach diesem Auftritt in Gütersloh eindeutig erhärtet, so Jens-Peter Gieschen von der KWAG Auch „Die Weiterinvestition der eigentlich zur Ausschüttung geplanten Gelder der II Dubai Tower KG in Folgeprojekte, der nicht erfolgte Hinweis auf die Verquickungen der beteiligten Firmen in Dubai und dem damit einhergehenden Interessenkonflikt und die Rückabwicklung des bereits von den Anlegern beschlossenen Kaufvertrages ohne deren Zustimmung bieten gute Ansatzpunkte für Schadensersatzansprüche gegen die ACI“, so Rechtsanwalt Wilhelm Lachmair.

fondstelegramm-Meinung. Schnell kann aus einem Übermorgen-Land für die Anleger ein Land von gestern werden. Dubai hat seinen Zenit längst überschritten. Das Kartenhaus wackelt an vielen Enden und Ecken, denn sein ambitioniertes Geschäftsmodell hörte in dem Moment auf zu funktionieren, wo die Käufer auszufallen begannen. Immer mehr Anleger ahnen inzwischen, dass das hohe Risiko, das sie eingingen, nicht mehr lange zu bewältigen ist. Das Geld haben viele für sich abgeschrieben. Anders die Initiatoren. Obwohl in den Dubai die Immobilienblase bereits vor Monaten zu platzen begann, verkündete ACI noch großspurig, alles sei in Ordnung. Das war der Anfang vom Ende. Der Abgrund, den die Anleger bei ACI erst jetzt zu entdecken, war schon seit Jahren da.

Historie. Die Geschichte der ACI begann märchenhaft. Uwe und Robin Lohmann versprachen deutsche Anleger mit zweistelligen Renditen am kometenhaften Aufstieg Dubais teilhaben zu lassen. Bald schon tummelte sie sich im Geschäft mit hochriskanten Finanzprodukten. Am Anfang schien alles zu klappen. Doch Lohmann wollte weiterwachsen. Drehte am großen Rad mit großen Namen wie Schumacher, Becker und Lauda als Namensgeber für ihre Projekte. Doch sie haben sich verspekuliert. Immer lauter wurden daher die Befürchtung, diesen Traumrenditen liegen in Wahrheit ein Schneeballsystem zugrunde. Die Ausschüttungen für die ersten Fonds seien womöglich mit Geld aus den Folgefonds vorgenommen worden.

Wendepunkt. Bis Ende 2008 war die Welt für die Anleger noch in Ordnung. Die ACI teilte mit, mit der YAMA LLC eine Käuferin gefunden zu haben. Die Anleger beschlossen den Verkauf und Liquidierung per Dezember. Doch Anfang 2009 zogen dunkle Wolken auf. Yama konnte nicht bezahlen. Nach Angaben der ACI wurde ihr der Kredit versagt. Die normale Vorgehensweise in einem solchen Fall wäre es aus juristischer Sicht, die Kaufpreisforderung trotzdem durchzusetzen, die Personen hinter dem Käufer persönlich haftbar zu machen und bei einer Rückabwicklung zumindest zu versuchen, den entstandenen Schaden ersetzt zu bekommen. Doch bei ACI ging man einen anderen Weg – ohne Gesellschafterbeschluss. Daher ist die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Rückabwicklung des Kaufvertrages mit YAMA, offen. Eine Anfrage zur Beschlussfassung zur Wiederherstellung des Ursprungszustandes der Fonds – nunmehr pikanterweise erweitert um die bislang vermiedene Steuerpflicht der Anleger – wurden den Anlegern nicht vorgelegt.

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