Es geht schlecht. Täglich überschlagen sich Fernseh- und Radiomeldungen mit neuen Negativrekorden. Der scharfe Einbruch der Wirtschaftsleistung ist in der Geschichte ohne Beispiel. Die Autobranche liegt am Boden, Banken beantragen ständig neue Hilfen. In Deutschland scheint die angeschlagene HRE Bank das Geld schneller zu verschlingen, als es Berlin nachdrucken kann. Die Quartalsverluste liegen schon wieder bei 500 Millionen Euro.
Auch auf internationaler Ebene häufen sich die Verluste. So hat beispielsweise Branchenprimus Bank of America bislang Hilfen in Höhe von 45 Milliarden Dollar erhalten. Auch Wells Fargo und PNC Financial sollen weitere Unterstützung benötigen. 32 Banken sind allein dieses Jahr von der US-Einlagensicherungsbehörde FDIC geschlossen wurden. Doch nicht nur der Finanzbranche geht es schlecht. Nun wackelt auch Chevron.
Der zweitgrößte Ölkonzern der Welt musste eine dramatischen Gewinneinbruch vermelden. Nachdem der Karren aus eigener Kraft nicht mehr aus dem Sumpf gezogen werden kann, in den man in der Euphorie der Boomjahre oft durch so manch Managementfehler und mit überhöhter Geschwindigkeit hinein fuhr. Nun soll der Staat als Retter einspringen. Doch greifen die Konjunkturpakete wirklich oder verpufft das Steuergeld ergebnislos? Ohne staatliche Hilfe geht es nicht mehr. Soviel ist sicher. Die Asiaten steuern ebenfalls von Regierungsseite dagegen.
Länderübergreifend brachten sie nun einen 90 Milliarden Euro Fonds auf den Weg. China und Japan stemmten dabei je ein Drittel. Japans Finanzminister Kauaro Yosano lieferte folgende Begründung für die für Asien ungewöhnliche, da sehr länderübergreifende, Maßnahme: „Ich erwarte, dass die Wirtschaftsstruktur der asiatischen Entwicklungsländer durch diese Maßnahmen mehr Gleichgewicht bekommen und sie ihr robustes Wachstum neu starten können.“ Erste Erholungen bei der Nachfragesituation in Asien sind bereits festzustellen.
Nach Einschätzung von Feri-Gründer Rainer Rau, auf der Frühjahrstagung, sei aber vor allem die steigenden Rohstoffpreise die neuen Motoren der wieder erstarkenden Weltwirtschaft. Diese Entwicklung gibt zumindest Anlass zur Hoffnung. Gewohnt launig preschte er durch die wichtigsten Kennzahlen und blieb dieses Jahr dabei recht realistisch. Viel Anlass zur Freude hätte es auch nicht gegeben. Es steht inzwischen unumstößlich fest, dass wir uns in der tiefsten Rezession befinden, die wir je hatten. Das hängt im hohen Maße mit der Globalisierung zusammen. Es sei verwerflich, so Rau, nun die Banker allein zu Sündenböcken zu machen, denn ohne Gier und ohne Gewinnstreben, gäbe es keine Marktwirtschaft.
Der Staat hätte den Markt schon vorher regulieren müssen, nicht erst als das Kind in den Brunnen gefallen war. Das Problem der Weltwirtschaftskrise kann nur gelöst werden wenn das Kreditproblem vom Tisch ist, das dürften inzwischen alle verstanden haben. Daran feilen nun die Regierungen. Das größte Problem und als eigentliche Gefahr sieht Raus weniger die Inflation, sonder eine Deflation. Greift bei Konsumenten die Angst um sich und die Einstellung, ich kaufe erst morgen, weil es da billiger sein könnte, gehen die Konsumentenpreise zurück. Das würde der Wirtschaft nachhaltig schaden.
Noch aber reagieren die Verbraucher erstaunlich vernünftig, sowohl in Deutschland als auch in den USA. Dort kann es mit dem Umschwung, so Rau, oft schnell gehen. Sobald Amerikaner das Gefühl haben, es ist Licht am Ende des Tunnels, sinkt die Sparquote und man geht shoppen. Auch der Investitionsgüterstau wird dann schnell aufgelöst und bietet Potenzial. Viel weniger Optimismus kam bei der Fondssparte zum Vorschein. Die Fonds bekamen die Krise in diesem Jahr sehr heftig zu spüren, so die Ergebnisse der Quartalszahlen. Von Krisengewinnern ist nur vereinzelt die Rede, das Gros der Branche leidet.
Den deutlichen Rückgang bei den neu aufgelegten Fonds spiegelt gut die aktuelle gesamtwirtschaftliche Lage wider. So ist beispielsweise das prospektierte Eigenkapital um 55 Prozent eingebrochen, das Fondsvolumen um 53 Prozent. Als positivste Assetklasse entwickelte sich das Investment in Betongold. Die Bafin gestattete im ersten Quartal doppelt so viele Immobilienfonds wie noch im Vergleichszeitraum im Jahr zuvor. Zu einem drastischen Einbruch kam es bei den Schiffsbeteiligungen. Die schwache Konjunktur erreicht den Schiffsmarkt.
Schlecht schnitten auch LV Fonds und Private Equity Modelle ab (siehe Grafik). Im Bereich Solarfonds und Immobilien feilten die Initiatoren fleißig an Konzepten, doch laut Feri-Chef Helmut Knepel haben sich die Aktivitäten im Bereich der Immobilien-und New EnergyFonds noch nicht in Platzierungszahlen umgesetzt. Die Erwartung, Geschlossenen Fonds könnten von der Krise profitieren, so Knepel, lässt sich aus dem Absatzpotential der einzelnen Fondstypen noch nicht ableiten.
Beliebt waren vor allem Fonds mit Core-Immobilien an guten, wenig volatilen Standorten wie den BeNeLux Staaten, Deutschland und Nordeuropa, voll vermietet mit bonitätsstarken Mietern versprechen stabile Cash-Flows und weitgehend sichere und regelmäßige Ausschüttungen. Positiv hob Knepel auch heraus, dass sich die Marktbedingungen auf dem Immobilieninvestmentmarkt in Form von sinkenden Kaufpreisen teils deutlich verbessert, so dass durchaus wieder Immobilien zur Verfügung stehen, die sich für geschlossene Fonds eignen. Das gilt in Deutschland insbesondere auch bei Wohnimmobilien, da hier die Preise in der Vergangenheit auch weit weniger gestiegen sind als in anderen europäischen Ländern. Also durchaus auch ein kleiner Silberstreifen am Horizont. Man muss nur genau hinsehen. Aber das war ja bei geschlossenen Fonds sowieso immer schon eine wichtige Empfehlung bei der Anlageentscheidung – mit oder ohne Krise.
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