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20.08.2009 01:00:00Druckansicht

Windig, windig

Ungebrochen großen Zuspruch sollen die Prokon Genussrechte trotz Wirtschaftskrise immer noch erfahren. Nach eigenen Angaben konnte der Itzehoer Fondsanbieter den Erfolg des Vorjahres von 38,6 Millionen Euro in 2008 um sage und schreibe 19 Prozent übertreffen. Doch ob sich das Angebot der Prokon auch für die Anleger als clevere Alternative darstellt, ist ebenso umstritten, wie die Tatsache, dass das Unternehmen durch Anteilsaufkauf inzwischen an fast allen Fonds die Mehrheit hat. Für Anleger ist das nicht ungefährlich.

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In Deutschland regiert derzeit die Angst. Das Vertrauen der Anleger ist stark angeschlagen. Das wissen alle. Einige Anbieter aber nutzen gerade diese Situation geschickt für sich. So positioniert sich auch die Itzehoer Initiatorin Prokon als Krisengewinner.

„Die Finanzkrise hat nicht nur Deutschland, sondern auch die gesamte Weltwirtschaft fest im Griff“, steht daher im Eingangsstatement eines Dokuments auf der Prokon-Homepage zu lesen. Es folgen drei Seiten, auf denen über die Streichung tausender Arbeitsplätze, Staatsspritzen aus Steuergeldern, Rettungspakete und die ins Straucheln geratenen Großbanken alle Platitüden der Krise bedient werden.

Das Ganze gipfelt, wie unschwer vorherzusehen, in der rhetorischen Frage: „Machen diese Entwicklungen die Banken vertrauenswürdig und lassen sie zu einem sicheren Ort für unsere Ersparnisse werden?“ Die Antwort wird gleich mitgeliefert: „Wir denken nicht. Denn es gibt weitaus sicherere Möglichkeiten einer kapitalanlage, als bei einer Bank zu investieren.“ Und schon ist sie da, die gelungene Überleitung zur Investition in sichere Sachwerte. „Ob ins klassische Eigenheim, Grund und Boden oder eben die Investition in Windkraft – entscheidend sei die Wertstabilität von Sachwerten.“, so die Quintessenz des Textes. Damit trifft Prokon genau den Nerv der Zeit. Anleger sehnen sich nach sicheren Produkten und Meldungen wie die aktuellen Prokon-Erfolgszahlen. Sie sind in der Branche inzwischen selten geworden. Doch es erstaunt, dass nur die Prokon Unternehmensgruppe gegen den Trend zu schwimmen scheint.

Anders als die meisten Mitbewerber blickt man in Itzehoe nach eigenen Angaben auf ein erfolgreiches erstes Quartal 2009 zurück. Das Einwerbungsergebnis der Genussrechte von knapp 15 Millionen Euro läge, so die Meldung, in den ersten zwölf Wochen von um fast fünf Millionen Euro über Zahlen des Vorjahreszeitraumes. Damit hätte Prokon zum wiederholten Male nachweisen können, dass eine Investition in die Erneuerbaren Energien gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise eine Vertrauen schaffende und sichere Alternative zur klassischen Geldanlage wie Lebensversicherung, Sparplan oder Ausbildungsversicherung darstellt. Dabei dürfte die Erwähnung von Ausschüttungen von acht Prozent in 2008, die auch für 2009 avisiert werden, bei vielen Anlegern die gewünschte Wirkung getan haben.

Das Unternehmen spricht durch die niedrigen Mindestzeichnungssummen und die breit gestreute Haushaltswerbung viele Kleinsparer an. Bei oberflächlicher Betrachtung der Zahlen, kann man sich das Prokon-Angebot durchaus durch den Kopf gehen lassen: Sicherheit, Ökö-Anlage, acht Prozent Ausschüttung, langjähriger Initiator – alles Argumente, die derzeit ihre Wirkung tun. Allerdings sollten Anleger sich das Angebot nicht nur im tatsächlichen, sondern auch im übertragenen Sinne durch den Kopf gehen lassen, denn hinter den vornehmlich guten Zahlen, schlummern weit mehr Risiken als Prokon durch ihre marketingtechnisch ausgeklügelte Werbestrategie glauben machen will.

Betrachtet man die Branche der Windfonds, so liegt hier bereits der erste Knackpunkt. Sie konnten bislang selten durch Erfolgsmeldungen auf sich aufmerksam machen, waren doch die Prognoseparameter häufig zu mager konzipiert, das Windaufkommen zu schwach oder der Initiator bei Problemen zu unerfahren. Prokon macht dabei keine Ausnahme. Auch ihre Fonds laufen nicht alle prospektgemäß. Liquiditätsengpässe sollen nun mit Kapitalerhöhungen aus Genussrechtsmittel gedeckt werden ist von Anlegerseite zu hören. Nach außen jedoch stellt sich das Unternehmen als Fels in der Brandung dar, steckt zur Untermauerung und Verbreitung dieser These auch große Summen in die Werbung. Mehr als 4.500 Anleger glaubten bisher den Versprechen und haben sich Windkraftfonds beteiligt. Rund lief es dabei aber nicht immer (Fondszeitung/fondstelegramm berichteten). So schob die Bafin dem New Energy Fonds III Mitte 2008 wegen unerlaubtem Einlagengeschäft einen Riegel vor. Da die zwei Nachfolgefonds ähnlich konzipiert sind, ist die Bafin noch aktiv. Wie der Stand der Dinge derzeit genau liegt, darüber wollte man in Itzehoe keine Auskunft geben.

Inzwischen hat man diese Problematik zumindest einmal konzeptionstechnisch umgangen, indem das Geschäftsmodell komplett geändert wurde. Statt KG-Beteiligungen, setzt Prokon nun auf Genussrechte. Bis anfangs 2010 sollen die Windpark-KGs aufgelöst werden und in eine genussrechtsfinanzierende Gesellschaft zusammengeführt werden. Anleger erhielten umfangreiche Post um den Wechsel schmackhaft zu machen. Ihnen wurde angeboten die Anteile zu verkaufen oder sie in Genussrechte umzuwandeln. Für die Umwandlung in Genussrechte bekamen Anleger mehr als für die Barauszahlung. Doch als nicht alle Anleger in der von Prokon erwarteten Weise mitzogen, änderte sich die Tonalität schnell. Wer sich weigerte seine Kommanditanteile zurückzugeben, verlor die Ausschüttungsgarantie und sollte bereits erhaltene Garantiezahlungen zurückerstatten, hieß es bei Prokon. Die verbleibenden KG-Anleger ließen sich nicht abschrecken. Sie hinterfragten das Angebot weiterhin kritisch und suchten rechtliche Unterstützung.

Einige wichtige Aspekte wurden von Prokon nicht oder nur am Rande angesprochen, lautet ihr Vorwurf. So bergen Genussrechte durchaus mehr Gefahren, als durch die Anlegerschreiben Glauben gemacht wird. Anders als bei KG Beteiligungen, wo die Anleger als Kommanditisten mitbestimmen können, bleibt der Gesetzgeber beim Thema Genussrechte sehr vage. Die genaue Ausgestaltung obliegt dem Herausgeber. Generell gilt aber: der Anleger hat hier kein Mitspracherecht. Das ist gravierend, denn damit liegen alle Entscheidungsbefugnisse alleine bei Prokon. Ob das allen Anlegern klar war, ist fraglich. Sie mussten unterschreiben, ihr Kapital für fünf Jahre zur Verfügung zu stellen, eine vorzeitige Rückzahlung in jährlichen Teilbeträgen ist aber möglich, dafür verspricht Prokon eine Mindestverzinsung. Die kann das Unternehmen aber nur ausschütten, wenn auch Gewinne aus den Projekten erwirtschaftet werden.

Ansonsten muss für Zahlungen auf das Eigenkapital des Unternehmens zurückgegriffen werden, das dadurch immer weiter abgeschmolzen würde. Und noch eine Kleinigkeit kam zu kurz: Für den Verkauf und auch für die Umwandlung der Anteile müssen die Anleger Steuern zahlen. Das kann bei einem hohen Steuersatz richtig teuer werden. Da die Prokon-Fonds über keinen Beirat verfügen zur Vertretung der Anlegerinteressen, gründete sich eine „Interessensgemeinschaft der Prokon-Kommanditisten“ (IG).

Das stieß zuerst bei Prokon auf wenig Gegenliebe. Nun aber sucht man nach Lösungen. Bei den meisten Fonds hat Prokon inzwischen eine Mehrheit über 75 Prozent. Lediglich bei Zieko, Schwabhausen und beim New Energy Fonds V halten die Anleger immer noch über 25 Prozent der Anteile. Die verbleibenden Fondsanleger hätten es am liebsten, dass die Fonds so weiterlaufen und in Form einer Realteilung weiter als KG betrieben werden. Prokon dagegen würde am liebsten die Einzelanlagen herauslösen. Welche Lösung genau gefunden wird, darüber wird derzeit auf beiden Seiten noch heftig diskutiert. Bislang konnte die Verzinsung der Genussrechte immer bezahlt werden, auch Überschussbeteiligungen gab es. Wie die Finanzlage jedoch genau aussieht, darüber ist derzeit keine Bild möglich. Das Unternehmen ist über Tochtergesellschaften sehr verschachtelt aufgebaut. Ein ungutes Zeichen ist die mangelnde Kommunikationsbereitschaft.

Gab man sich in der Vergangenheit bedingt gesprächsbereit, werden Presse-Anfragen inzwischen ignoriert oder lapidar mit dem Satz abgetan, „wenn Sie nichts von uns gehört haben, werden wir kein Interesse haben“. Von der in der Prokon-Werbung oft zitierten „Transparenz“ jedenfalls ist in der Praxis nichts zu merken. In Schweigen hüllen sich immer nur diese Unternehmen, die etwas zu verbergen haben. Ansonsten gibt es keinen Grund dafür. Unbeschwert dürften man in Itzehoe angesichts der Zweiteilung der Anlegerschaft daher wohl kaum in die Zukunft schauen, denn für die Kommanditisten muss eine verträgliche Lösung gefunden werden und die Genusszeichner müssen ebenfalls bei Laune gehalten werden, sonst könnten sie ihr Kapital nach fünf Jahren zurückfordern. Entscheiden sich viele der Anleger für einen Ausstieg, könnte das für Prokon sehr teuer werden. Ob dieses Geld dann auch noch herbeigezaubert werden kann, ist fraglich. Auch von Anlegerseite her wäre eine einvernehmliche Lösung in diesem Falle sehr wünschenswert und wichtig. Streitereien sind teuer, binden Kapazitäten und hindern den normalen Geschäftsverlauf. Gibt es im Unternehmen Probleme, würde das vor allem für die vielen Kleinsparer bitter. Sie können einen Totalverlust des Kapitals am allerwenigsten verschmerzen.

Tags: anlegerfondsfinanzenfinanzkrisebankenkapitalanlagegenussrechte

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