Ökologie ist in der Immobilienbranche noch nicht überall Trumpf
Ländersache. Die Australische Regierung nimmt Umweltschutz inzwischen sehr ernst, hat aber durch die sehr rohstoff- und kohlegetriebene Wirtschaft einen langen Weg vor sich. Im Immobiliensektor sind Entwickler und Nutzer in Down Under aber, so Jones Lang LaSalle, sehr interessiert an der Nachhaltigkeit. Im CBD Bereich werden nur noch sehr wenige Gebäude ohne ein Green Building Certificat wie beispielsweise das Green Star Rating erbaut. In 2008 hat der Staat strengere Standards (National Strategy on Energy Efficiency) festgelegt. Ab Mitte 2010 müssen alle Bürogebäude mit Vermietungen über 2.000 Quadratmeter ein NABERS Energie Rating haben, das macht die Gebäude dann besser vergleichbar.
Übersee. Die USA gehen seit Obama deutlich mehr in Richtung Nachhaltigkeit. Stringentere Energie-Effizienz Standards werden daher vor allem für Neubauten erwartet. Auch Bestandsbauten müssen dahingehend umgebaut werden, um auch sie energieeffizienter zu machen. Kanada ist, so der Bericht, beim Thema Nachhaltigkeit weiter hinten. Lediglich die freiwillige Verpflichtung der Immobilienindustrie über die BOMA (Building Owners and Managers Association) hat mit BOMA BESt ein zertifizierungsprogramm für Gewerbeimmobilien ins Leben gerufen. Das allerdings hat guten Erfolg. Die durchschnittliche Emission war bei über 1000 zertifizierten Gebäuden rund elf Prozent niedriger als der nationale Durchschnitt.
Europa. > In Deutschland wird die Nachhaltigkeitsfrage ein Ringen zwischen Regierung und Marktkräfte werden, so der Bericht von Jones Lang LaSalle. Der Schwerpunkt wird bei dem Monetoring der Bestandsgebäude liegen. In den Niederlanden ist ein Energie-Label notwendig wenn Gebäude verkauft oder vermietet werden. Ein niederländisches Equivalent zur BREEAM-Zertifizierung ist derzeit in Vorbereitung. Auch in Großbritannien hat man sich hohe Ziele gesteckt. Neubauten müssen in relativ kurzer Zeit CO2 frei sein. Bestandsgebäude müssen mit deutlich höheren Effizienzstandards ausgestattet sein, sonst drohen empfindliche Strafen. Frankreichs Regierung gibt strenge Regeln vor. Ab 2010 bis 2012 dürfen neugebaute Häuser weniger als 50 kWh/m²/Jahr Energie verbrauchen. Bestandsimmobilien müssen bis 2020 38 Prozent ihres Energieverbrauches einsparen. Eigentümer müssen ihre Gebäude renovieren um höhere Energieeffizentz zwischen 2012 und 2020 zu erreichen. Ab 2021 müssen alle Gebäude energieneutral sein, d.h. dass sie weniger energie verbrauchen, als sie an erneuerbarer Energie produzieren.
Arabien. Die Golf Region muss auf internationalen Druck stark CO2 reduzieren, bislang allerdings haben sie sich geweigert. In Saudi-Arabien gibt es nur wenige Leed- zertifizierte Gebäude, die meisten entstanden auf Druck internationaler Investoren. In den UAE gibt es bislang nur drei Gebaude, so Jones Lang Lasalle, die eine Leed Zertifizierung haben. Abu Dhabi dagegen nimmt eine Führungsrolle in der Ökologie ein. Masdar soll die erste CO2 neutrale Stadt der Welt sein. Einige Behörden und Entwickler unterstützen das Programm ‘Estidama’, das Standards bei der Nachhaltigkeit fördern soll und Immobilienentwickler stärker kontrollieren soll.
Dubai. Gerade die exzessive Bautätigkeit in Dubai und die daraus resultierende CO2 Verschmutzung zeigt, wie wichtige es ist, nachhaltige Gebäuderichtlinien für Nachhaltigkeit und das Recycling einzuführen. Seit Oktober 2007 müssen per staatlichem Dekret in Dubai alle neugebauten Gebäude dem Green Building Standard entsprechen. Der Emirates Green Building Council (EGBC) hat daher ein System entwickelt, das auf der US-Leeds Zertifizierung basiert und an die lokalen Gegebenheiten angepasst ist. Das Dubai Department of Tourism and Commerce Marketing (DTCM) hat aber angekündigt, dass bis 2011 in der ersten CO2 Reduzierungsinitiative die Hotelindustrie 20 Prozent einsparen will.
Asien. Chinas Immobiliensektor hat in Sachen Nachhaltigkeit noch großen Nachholbedarf. Standards für Energieverbrauch in neuen Gebäuden sind selten und die oft sehr kostenbewussten Entwickler scheuen sich die meist teurere, aber energieeffizientere Technologie einzubauen. Die LEED-Zertifizierung gewinnt allerdings in China zunehmend an Bedeutung, vor allem bei internationalen Entwicklern. Die vom Staat entwickelten Standards dagegen, sind noch nicht sehr verbreitet. Japan dagegen ist bereits seit 1970 sehr sensibel in Sachen Nachhaltigkeit, Umweltschutz-Steuern tragen dazu bei, dass nicht nur Privathaushalte, sondern auch große Unternehmen stark an der Reduzierung des CO2 Ausstoßes arbeiten.
Indien. In Indien lancierte die Regierung 2007 den Energy and Conservation Building Code (ECBC), 2008 folgte mit der National Mission on Sustainable Habitat ein weiterer Vorstoß energieeffiziente Gebäude zu fördern. Nun müssen nach dem Umweltschutzministerium alle Gebäude mit mehr als 20,000 Quadratmetern staatlich geprüft werden. Dennoch ist das Thema Green Building bei den Entwicklern in Indien noch eher ein Fremdwort. Zertifizierungssysteme sind Leadership in Energy and Environmental Design (LEED) von der Indian Green Buildings Conference (IGBC) und das Green Rating for Integrated Habitat Assessment (GRIHA) vom Energy Research Institute.
Zukunftsmusik. Der Internationale Immobilienmarkt wird den Einfluss von COP15 und den folgenden Klimakonferenzen aufnehmen und umsetzen müssen. Die Ergebnisse werden daher auch einen Einfluss auf eine Zusammenführung eines standardisierten Meßsystems für CO2 Emissionen im Bausektor haben. Das kürzlich vorgestellte „Common Carbon Mettric-Konzept“ könnte dabei ein Schritt nach vorne sein. Die führenden Zertifizierungsorganisationen im Bereich Green Building und die UNEP Sustainable Buildings and Climate Initiative suchen eine gemeinsame Sprache. In einem ersten Schritt, wollen die Organisationen es aber erst einmal ausprobieren, bevor es allen zugänglich sein wird. Diese Rahmenbedingungen sind, so Jones Lang LaSalle, wichtig für den Immobilienmarkt, damit die Kosten und gegebenenfalls auch Strafen genau festgelegt werden können und auch internationale Benchmarks für CO2 Reduzierungen in Internationalen Portfolien eingeführt werden können.
Technik gefragt. Eine entscheidende Rolle für die Nachhaltigkeit spielt die Technik. In einem Beitrag für den Copenhagen Consensus Center haben Isabel Galiana und Chris Green von der kanadischen McGill University das Ausmaß der technischen Herausforderung aufgezeigt. Um drei Viertel des CO2 bis 2100 einzusparen und gleichzeitig ein vernünftiges Wirtschaftswachstum beizubehalten, müsste eine Kapazität nichtfossiler Energiequellen zur Verfügung stehen, die zweieinhalbmal so groß ist wie der globale Energieverbrauch des Jahres 2000. Klimaschonende Energiequellen von heute reichen dafür weder in der Größenordnung noch Zuverlässigkeit aus. Deshalb wird Geld für Forschung und Entwicklung in einer Größenordnung von 66 Milliarden Euro jährlich gebraucht. Das ist 55-mal so viel, wie die Regierungen heute dafür ausgeben.
fondstelegramm-Meinung. Die Nationen verfolgen ganz unterschiedliche Ziele in Kopenhagen. Vor allem haben sie die Schwierigkeit, ihrer Bevölkerung zu vermitteln, dass jetzt gespart werden muss, für eine Welt in der Zukunft. Entscheidend dabei wird daher wohl das Verhalten der Schlüsselnationen für das Wirtschaftswachstum wie China und Indien, sein, die die größten Treibhausgas-Emittenten des 21. Jahrhunderts und immer noch sehr abhängig von fossilen Energiequellen sind. Sie werden auch im Immobilienbreich umdenken müssen wie die Industriestaaten.
Ein noch so langer Weg beginnt immer mit einem ersten Schritt.
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